Gestalttherapie - was ist das?

..."Gestalt", ist... eine Lebenseinstellung, die praktische Konsequenzen hat. ...Wachstum ist hier das richtigere Wort als Therapie. Wachstum: spontaner, lebendiger und glücklicher sein. Deinen eigenen Kern mehr wertschätzen. Halberledigtes vollenden und neue Schritte wagen."
Bruno-Paul De Roeck

Wurzeln der Gestalttherapie

Die Gestalttherapie gehört zu den humanistischen Psychotherapien und wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Friedrich (Fritz) Salomon Perls in Zusammenarbeit mit seiner Frau Laura und dem Soziologen Paul Goodman entwickelt. Neben ihrer Verwurzelung in der Psychoanalyse ist die Gestalttherapie vor allem durch die Gestaltpsychologie, den bioenergetischen Ansatz von Wilhelm Reich sowie das Psychodrama beeinflusst. Ihre philosophischen Wurzeln der entstammen dem Existentialismus, der Phänomenologie und der Begegnungsphilosophie. Darüber hinaus spielen Erkenntnisse und Vorgehensweisen aus dem Zen-Buddhismus sowie kreativitäts- und ausdrucksfördernde Techniken aus dem künstlerischen Bereich für gestalttherapeutische Interventionen eine wesentliche Rolle.

Grundannahmen der Gestalttherapie

Grundlage der Gestalttherapie ist ein ganzheitliches Menschenbild, d. h. Körper, Seele und Geist werden als eine untrennbare Einheit betrachtet. Es wird außerdem davon ausgegangen, dass jedes Individuum nach Selbstverwirklichung und Differenzierung strebt. Der Mensch wird in seiner Bezogenheit auf seine sozio-ökologische Umwelt verstanden, mit der er sich permanent in Kontakt und wechselseitigem Austausch befindet. Grundsätzlich wird angenommen, dass jeder das Potential in sich trägt, auf Veränderungen der Umwelt zu reagieren, sich neu zu organisieren, immer wieder in Balance zu kommen und sich dadurch zu weiterzuentwickeln. Wenn diese Fähigkeit jedoch verloren gegangen ist, kommt es zu Problemen bei der Bewältigung des alltäglichen Lebens. Ein besonderes Augenmerk der Gestalttherapie liegt deshalb darauf, die Selbstregulierungskräfte des Menschen zu aktivieren und seine Kontaktfähigkeit zu fördern.

Zum Begriff „Gestalt“

Der Begriff „Gestalt“ entstammt der Wahrnehmungspsychologie und beschreibt die Tatsache, dass Wahrnehmung stets auf der Verbindung von Einzelelementen zu sinnvollen Einheiten („Gestalten“) basiert. Die Gestalttherapie bezieht diesen Prozess der Gestaltbildung auch auf seelische Vorgänge. So können wir aus einer Vielzahl von Sinneseindrücken heraus unsere Gefühle, Bedürfnisse, Impulse erkennen. Alles Erfahrbare kann somit zur Gestalt werden- auch eine Bewegung, eine Erinnerung, ein Wunsch, ein Ziel etc…

Unerledigte Situationen

In der Gestalttherapie wird davon ausgegangen, dass immer das momentan Wichtigste in den Vordergrund unserer Wahrnehmung tritt und nach Ausdruck, b. z. w. Befriedigung drängt. Es wird dann von einer „offenen Gestalt“ gesprochen. Der Organismus befindet sich nun in einem Ungleichgewicht. Werden Gefühle ausgedrückt, und Bedürfnisse befriedigt, findet der Organismus sein Gleichgewicht wieder. Die Gestalt ist dann „geschlossen“, tritt in den Hintergrund zurück und eine neue Gestalt kann sich zeigen. Können Gestalten jedoch nicht geschlossen werden, drängen sie im Untergrund nach Abschluss und binden einen Teil unserer Lebensenergie. Solche „offenen Gestalten“ - oder auch unerledigte Angelegenheiten - tragen wir oftmals viele Jahre mit uns herum. Sie zeigen sich z. B. in Form von psychosomatischen Beschwerden, schädlichen Gewohnheiten, Depressionen, Ängsten und Süchten.

Ziel der Gestalttherapie

In der gestalttherapeutischen Arbeit geht es nicht um die Beseitigung von Symptomen, sondern darum, die verborgene Sprache der Symptome zu entschlüsseln und die darin enthaltene offene Gestalt zu erkennen und zum Abschluss zu bringen. Die erlebnisaktivierenden und achtsamkeitsbasierten Interventionen der Gestalttherapie zielen deshalb wesentlich darauf ab, die bewusste Wahrnehmung (Awareness) zu fördern und damit sowohl die Kontaktfähigkeit zu sich selbst als auch zur Umwelt zu verbessern. Dadurch wird die natürliche Fähigkeit zur Selbstregulierung und zu persönlichem Wachstum zurückgewonnen.

Für wen ist Gestalttherapie geeignet?

Wenn Sie sich aktuell in einer Lebenskrise befinden, unter Ängsten oder psychosomatischen Beschwerden leiden, wenn Sie depressiv sind, einen Burn-Out erlebt haben, oder mit Ihren Gefühlsreaktionen (zu wenig oder zu intensiv) nicht klarkommen, dann können die Methoden der Gestalttherapie Ihnen helfen, die in Ihren Symptomen verborgenen Botschaften zu entschlüsseln, unerledigte Situationen zum Abschluss zu bringen sowie Neues auszuprobieren.

Aber auch dann, wenn Sie einfach etwas für Ihre persönliche Entwicklung tun wollen, sich mehr spüren und annehmen wollen, Ihre persönlichen Neigungen weiter entwickeln sowie ein lebendigeres und selbstbestimmteres Leben führen wollen, können die kreativen und erlebnisaktivierenden Methoden der Gestalttherapie Sie unterstützen, Ihre bisher verborgene Seiten und Ressourcen zu entdecken und zum Ausdruck zu bringen und so mehr Spontanität und Lebensfreude zu entwickeln.